WAS EINT WAS TEILT WAS BLEIBT WAS BESCHREIBT HINTERGRUND

Zwei Städte, zwei Mauern - der Fall

Mödlareuth
Mauerfall in Mödlareuth
Am 9. Dezember wurde der Mödlareuther Grenzübergang offiziell eröffnet
Quelle: Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth
Im Gegensatz zu Berlin "fiel" die Mödlareuther nicht am 9. November, sondern erst einen Monat später. Zwar konnten die Mödlareuther über die anderen allmählich geöffneten Grenzübergänge nach Westdeutschland reisen. Die strikte Teilung und Bewachung innerhalb des kleinen Dorfes wurde zunächst jedoch aufrechterhalten. Anfang Dezember wurden die Bewohner auf bayerischer und thüringischer Seite dann ungeduldig.

Am Abend des 4. Dezember zündeten die Einwohner des bayerischen Ortsteils deshalb hundert Fackeln und Kerzen an und riefen: "Die Mauer muss weg!" - was auch auf der Ostseite des Dorfes zu hören war. Die Thüringer kamen an die Mauer und stimmten in den Chor ein.

Ein Reporter der "Frankenpost" schreibt später, diese gemeinsame Demonstration von West und Ost habe "die Wirkung eines reinigenden Gewitters" gehabt. Trotzdem hat es bis zum 7. Dezember gedauert, bis Bautrupps kamen um ein erstes Loch in die Mauer zu reißen. Die Mödlareuther stiegen sofort durch um sich zu begrüßen und wurden etwas später von einem DDR-Offizier wieder zurückgerufen: "Ich glaube, Sie haben sich jetzt alles gesagt. Bitte kommen Sie nun zurück. Übermorgen ist die offizielle Grenzöffnung. Da können Sie dann hinüber und herüber gehen."

Am 9. Dezember kamen dann rund tausend Menschen zur Lücke in der Mödlareuther Mauer. Der Schalmeien-Umzug der Freiwilligen Feuerwehr und die Töpener Blaskapelle spielten, die Bürgermeister beider Ortsteile begrüßten sich vor Presse aus ganz Deutschland.


Berlin
Mauerfall 1989
Am 10. November freuen sich die Berliner über den Mauerfall
Quelle: Lear 21/Wikimedia Commons
Die Berliner Mauer fiel in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989. Vorausgegangen waren Massendemonstrationen, nicht nur in Berlin, sondern auch in vielen weiteren Städten der DDR. Mit dem Sprechchor "Wir sind das Volk" gingen die DDR-Bürger auf die Straße. Besonders bekannt waren die so genannten "Montagsdemonstrationen" in Leipzig. Der größte Protestmarsch allerdings fand am 4. November 1989 in Ost-Berlin statt: Etwa 500.000 Menschen nahmen teil. Ausschlag gebend war aber auch, dass viele DDR-Bürger über Tschechien, Ungarn und Österreich geflohen waren.

Aufgrund des Drucks der Nachbarländer und der Proteste der Menschen sollte ein neues Reisegesetz auf den Weg gebracht werden, dass die Ausreise der Bürger möglich machen sollte. Nachdem ein erster Entwurf scheiterte und die gesamte DDR-Regierung zurücktrat, wurden schließlich Regelungen für eine ständige und unkomplizierte Ausreise beschlossen.

Eigentlich sollten diese erst am Morgen des 10. November offiziell verkündet werden. Am späten Nachmittag des 9. November wurden sie nochmals im Zentralkomitee der SED diskutiert und leicht abgeändert. Der übergangsweise eingesetzte DDR-Chef Egon Krenz übergab sie danach dem SED-Funktionär Günther Schabowski, der noch nichts von den Beschlüssen wusste und unmittelbar danach zu einer Pressekonferenz ging.

Nachdem er dort die neuen Regelungen fast beiläufig angedeutet hatte, wurde Schabowski um 18.53 Uhr gefragt, wann das neue Gesetz in Kraft treten würde. Schabowski zog einen Zettel aus der Tasche und stammelte: "Das tritt nach meiner Kenntnis...ist das sofort. Unverzüglich."

Weil diese Pressekonferenz in Radio und Fernsehen übertragen wurde, zogen danach tausende Menschen zu den Grenzübergängen. Um 21.20 Uhr wurde der erste Grenzübergang geöffnet, bis Mitternacht waren auch die übrigen im Stadtgebiet geöffnet. Die Bilder wildfremder Menschen, die sich in den Armen lagen oder auf die Mauer geklettert waren, gingen um die Welt.




Nina Paulsen / 21.September 2009



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