WAS EINT WAS TEILT WAS BLEIBT WAS BESCHREIBT HINTERGRUND

Ein Spalt in der Mauer

Zwei Jahre vor der Wiedervereinigung wurde in Mödlareuth ein 20 Meter langes Teilstück der Mauer entfernt. Regulierungsarbeiten am Tannbach ermöglichten den Dorfbewohnern erstmals einen Blick auf die andere Seite.

DDR-Grenzer entfernen ein Mauerstück
Am 25. Mai 1988 entfernten DDR-Grenzer ein Teilstück der Mauer
Quelle: Privatarchiv Karin Mergner
Am 25. Mai 1988 sprach noch niemand von einer baldigen Wiedervereinigung. Der Mauerfall schien den meisten Menschen in Ost- und Westdeutschland noch weit entfernt zu sein. Im Grenzdorf Mödlareuth war ein ungehinderter Blick auf die andere Seite der 54-Seelen-Gemeinde undenkbar. Und doch wurde genau das an diesem Tag plötzlich Realität.

Der Bach ist die Grenze


Denn auf einmal war da ein Spalt in der Mauer. Pioniere der DDR begannen damit, ein 20 Meter langes Teilstück der Mauer Betonplatte für Betonplatte zu entfernen. Grund dafür war der Tannbach, der die Mauer unterspülte und zum Einsturz zu bringen drohte. Um das zu verhindern, wurden Rohre verlegt.

Grund für die Maueröffnung waren Arbeiten am Bach
Grund für die "Maueröffnung" waren Regulierungsarbeiten am Bach
Quelle: Privatarchiv Karin Mergner
Paradoxerweise floss der Dorfbach auf der West-Seite der Mauer, obwohl er teilweise zum Ost-Territorium gehörte.

Drei Wochen dauerten die Arbeiten an, drei Wochen lang hatten die West-Mödlareuther und die Ost-Mödlareuther nach mehr als 22 Jahren wieder ungehinderten Blickkontakt.

Belämmerte Blicke


Landwirtin Karin Mergner hat die ersten Blicke der Ost-Mödlareuther auf ihre Seite des Dorfes bis heute nicht vergessen. "Die haben ganz belämmert herübergeschaut", erinnert sie sich. "Die Menschen drüben durften uns nicht einmal zuwinken", sagt sie, "sie durften keine Miene verziehen, weil die Bewacher direkt neben ihnen standen."

Mitte Juni 1988 war die Mauer wieder geschlossen. Aber nicht mehr für lange Zeit. Im Dezember 1989 brachen die Mödlareuther ein Durchgangstor in die Mauer. Aber diesmal konnten die Dorfbewohner einander nicht nur sehen, sondern sich auch begrüßen und umarmen. Und diesmal sollte es für immer sein.



Matthias Kluckert / 08.September 2009



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