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Als George Bush im Schnee stecken blieb

Anfang der 80er Jahre besuchte der spätere US-Präsident George Bush den West-Teil des Mauerdorfes. In Erinnerung geblieben ist er vor allem wegen seiner kuriosen Abreise durch den Schnee. Eine Mödlareuther Familie half mit einem Eimer Splitt.

Zur einen Seite hin war Mödlareuth durch die Mauer ohnehin abgesperrt. Als George Bush am 5. Februar 1983 zu Besuch kam, wurde aber auch die andere Seite abgeriegelt. Um die Sicherheit des damaligen US-Vizepräsidenten zu gewährleisten, richteten die US-Armee und der Bundesgrenzschutz schon früh morgens Straßensperren ein. Ins Dorf hereingelassen wurden die 27 Dorfbewohner, 80 Journalisten und ein Freund des Bürgermeisters. Der hatte sich kurzerhand als Polizist ausgegeben.

Der Vizepräsident kam im VW-Bus


George Bush in Mödlareuth
Warm eingepackt: US-Präsident George Bush bei seinem Besuch in Mödlareuth
Quelle: Privatarchiv Arnold Friedrich
Wegen starken Schneefalls verzichtete George Bush auf seine Staatslimousine und erreichte Mödlareuth im olivgrünen VW-Bus. Direkt vor der Mauer hielt er, eingepackt in einen dicken Kapuzenmantel, eine kurze Rede. An seine genauen Worte erinnert sich in Mödlareuth kaum einer mehr, zumal auch die wenigsten Englisch sprachen. Bei dem kurzen Gespräch zwischen Bürgermeister Arnold Friedrich und George Bush half der Bundesverteidigungsminister Manfred Wörner als Dolmetscher aus.

In der klirrenden Kälte vor der Mauer trug sich Bush auch ins Goldene Buch der Gemeinde Töpen ein. Dazu benutzte er aber nicht irgendeinen Stift. Sondern einen Kugelschreiber, auf dem in goldenen Buchstaben sein eigener Name eingraviert war. Am Ende seines Besuchs machte er den Kugelschreiber Bürgermeister Friedrich zum Geschenk; heute liegt das Stück in einer Vitrine des Deutsch-Deutschen Museums Mödlareuth.

Den Mödlareuthern ist Bush vor allem wegen seiner kuriosen Abreise in Erinnerung geblieben: Auf einer Anhöhe stand ein Hubschrauber zum Abflug des Vizepräsidenten bereit. Aber der VW-Bus, mit dem George Bush zu dieser Anhöhe wollte, blieb im tiefen Schnee stecken. Die Dorfbewohner eilten zur Hilfe: "Ich habe den Sicherheitsbeamten einen Eimer Splitt in die Hand gedrückt, um die Straße zu streuen", erinnert sich Landwirtin Karin Mergner.

Mit dem Zug zur Air Force 2


Dank des Splitts vom Mergner-Hof gelang dem Bush-Kleinbus die Fahrt auf den Hügel. Aber der Hubschrauber musste im Schneesturm schon wenige Minuten später wieder notlanden. Weil auch die Autobahn gesperrt war, nahm Bush letztlich den Zug nach Nürnberg zur Air Force 2.

Als Bush 1988 zum Präsidenten von Amerika gewählt worden und Mödlareuth ein Jahr später wiedervereint war, schrieb Bürgermeister Arnold Friedrich dem ehemaligen Gast mehrere Briefe. Die Dorfbewohner wollten den Amerikaner zu einem erneuten Besuch einladen. Eine Antwort erhielten sie aber nie.



Matthias Kluckert / 07.November 2009



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