WAS EINT WAS TEILT WAS BLEIBT WAS BESCHREIBT HINTERGRUND

Mödlareuth kurz und knapp


Mödlareuth
Idylle in Mödlareuth: Der Grenzturm verbreitet keinen Schrecken mehr
Quelle: Axel Springer Akademie
Was ist Mödlareuth und das Besondere daran? Wie gehen die Bewohner mit der Vergangenheit ihres Dorfes um? Und wie leben sie heute? Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um "Little Berlin".














->Warum wird Mödlareuth "Little Berlin" genannt?
->Gelang die Wiedervereinigung in Mödlareuth?
->Warum hat man die Mauer in Mödlareuth stehen lassen?
->Warum fiel die Mauer in Mödlareuth später als in Berlin?
->Ist jemand über die Mauer in Mödlareuth in den Westen geflohen?
->Gab es Widerstand in Mödlareuth?
->War eine Freundschaft zwischen Ost und West-Mödlareuthern möglich?
->Wie alt ist der älteste in Mödlareuth lebende Bewohner?
->Wie viele Menschen haben nach der Maueröffnung die Grenze überquert?
->Wie viele Leute leben im Mauerdorf?
->Wie war die Kindheit an der Mauer?
->Und wo treffen sich die Mödlareuther privat?
->Welchem Glauben gehören die meisten Mödlareuther an?



Warum wird Mödlareuth "Little Berlin" genannt?


Die heutige Bundeshauptstadt Berlin war während des Kalten Krieges in zwei Hälften geteilt. Eine Mauer trennte das freie West-Berlin von der DDR-Hauptstadt Ost-Berlin. Genauso war es auch in Mödlareuth - hier teilte die Mauer aber keine Stadt, sondern ein Dorf. An beiden Orten mussten die Einwohner mit der beklemmenden Situation leben, dass der graue Beton ihnen einen Teil ihrer Heimat und ihrer Freiheit raubte. Und West-Berlin war ein beliebter Ort bei Spitzenpolitikern, um sich zu zeigen, ähnlich wie in Mödlareuth. Die 50-Seelen-Gemeinde wurde von Bundespräsident Carl Carstens, Kanzler Helmut Kohl und dem damaligen US-Vizepräsidenten George Bush sr. besucht. Letzterer verwendete bei seiner Rede im Dorf zum ersten Mal den Begriff "Little Berlin".
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Gelang die Wiedervereinigung in Mödlareuth?


Mödlareuth war immer irgendwie geteilt. Der Tannbach, ein kleines Flüsschen, fließt durch die Dorfmitte – er ist die Grenze zwischen Thüringen und Bayern.

1966 kam dann noch eine 3,30 Meter hohe Betonmauer dazu, die das Dorf teilte. Die fiel 1989, der Fluss jedoch blieb. Und mit ihm andere teilende Dinge: Im Dorf gibt es zwei Bürgermeister, zwei Postboten, zwei Telefon-Vorwahlen, die Einwohner wählen getrennt, die Kinder gehen in unterschiedliche Schulen. Man grüßt auf der thüringischen Seite mit Guten Tag, auf der bayerischen mit Grüß Gott – und der Müll wird auf der einen Seite des Baches von einem anderen Müllwagen abgeholt als auf der anderen. Der eine Teil gehört behördlich zur bayerischen Gemeinde Töpen, der andere zur thüringischen Stadt Gefell. Ein "doppeltes Dorf".

Aber dennoch versuchen die Bewohner eins zu sein. Sie feiern gemeinsam, sitzen zusammen am Stammtisch in der Kneipe des Dorfes – dem Grenzgänger – und sie stellen gemeinsam einen Maibaum auf. Ein doppelter Versuch, eine gelungen wiedervereinigte Dorfgemeinschaft zu sein.
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Warum hat man die Mauer in Mödlareuth stehen lassen?


Weil es die Mödlareuther so wollten. Die Mauer sollte ein Mahnmal sein, dass an die schwere Zeit der Trennung erinnert – und künftige Generationen davor warnt, die Geschichte zu wiederholen.

Am 17. Juni 1990 riss ein Bauunternehmer die Mauer mit seinem Bagger fast komplett ein. Der damalige West-Bürgermeister Arnold Friedrich und sein Freund Arndt Schaffner setzten sich noch am gleichen Abend dafür ein, rund 50 Meter Mauer stehen zu lassen. Die Erinnerung an die Teilung des Dorfes sollte als Museum erhalten werden. Wachtürme und Stacheldraht sind bis heute im Originalzustand zu sehen.
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Warum fiel die Mauer in Mödlareuth später als in Berlin?


Der Berliner Mauerfall 1989 hatte keine unmittelbaren Auswirkungen auf die innerdeutschen Grenzen außerhalb des Berliner Stadtbezirks. Erst nach und nach wurden Übergänge eingerichtet, von denen die meisten aber zunächst nur den DDR-Bürgern zur Aus- und Wiedereinreise dienten. Erst nach Weihnachten 1989 waren sie auch für Bundesbürger geöffnet. In Mödlareuth hatten die Bürger in den Wochen nach dem Berliner Mauerfall Angst, dass die Mauer in ihrer Region weiterhin bestehen bleiben könnte.

Am Abend des 4. Dezember 1989 trafen sich die Einwohner auf der bayerischen Seite. Sie entzündeten 100 Kerzen und riefen: "Die Mauer muss weg". Nur wenige Stunden später versammelten sich auf der anderen Seite der Mauer auch die thüringischen Mödlareuther und stimmten in den Sprechchor ein. Fünf Tage später entfernten DDR-Grenzer zwei Mauerfelder und setzten Durchgangstore ein. Am 17. Juni 1990 wurde der Großteil der Mauer auf Eigeninitiative der Mödlareuther von einem örtlichen Bauunternehmer mit dem Bagger eingerissen.
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Ist jemand über die Mauer in Mödlareuth in den Westen geflohen?


Es gab eine gelungene Flucht. Im Mai 1973 stieg ein 34-jähriger Kraftfahrer über eine Leiter auf seinem Autodach über die Mauer.
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Gab es Widerstand in Mödlareuth?


Soweit bekannt nicht. Laut der noch lebenden Zeitzeugen sind die Mödlareuther eher mit dem Strom geschwommen. Lediglich ein Fall von tendenziell oppositionellem Verhalten ist bekannt: Ein älterer Mann ging damals absichtlich so spät wie möglich zur Wahl. Erst, als die Aufruhen in Berlin begannen, fanden die Mödlareuther auch Mut. Am 4. Dezember versammelten sie sich an der Mauer und forderten den Fall.
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War eine Freundschaft zwischen Ost und West-Mödlareuthern möglich?


Nur, wenn die Ost-Mödlareuther Verwandte auf der West-Seite hatten. Denn nur dann wurde von der DDR-Regierung der nötige Grenzpassierschein nach West-Mödlareuth ausgestellt. Aber auch das war nicht immer der Fall. Sie waren der Willkür ausgesetzt.
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Wie alt ist der älteste in Mödlareuth lebende Bewohner?


Sagenhafte 93 Jahre. Ida Hofmann lebt ganz alleine auf der Westseite Mödlareuths auf dem Hof, auf dem sie schon als Kind spielte. Sie ist auch in Mödlareuth zur Schule gegangen, zu der Zeit, als die jetzige Kneipe des Ortes – der "Grenzgänger" – noch eine Schule war.
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Wie viele Menschen haben nach der Maueröffnung die Grenze überquert?


Mehr als 10.000 Menschen sind am 9. und 10. Dezember im 50-Seelen-Dorf Mödlareuth durch die neu geschaffene Maueröffnung gegangen.
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Wie viele Leute leben im Mauerdorf?


Insgesamt 54. 19 Menschen auf der West-Seite, 35 Bürger auf dem Ost-Gebiet.
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Wie war die Kindheit an der Mauer?


Ulrike Neubauer ist im Westteil Mödlareuths aufgewachsen und hat das Dorf mit 26 Jahren verlassen. An ihre Kindheit hat sie nur gute Erinnerungen. Sie hat mit ihren Freunden viel draußen gespielt, Feste wie Fasching hatten einen großen Stellenwert. Im Dorf war immer etwas los. Die Mauer war für sie einfach da; sie wusste, dass man „nicht drüber“ durfte und hat diesen Zustand als Kind einfach hingenommen.
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Und wo treffen sich die Mödlareuther privat?


Auf ein gemütliches Bier gehen die Bürger zum „Grenzgänger“ – dem einzigen Wirtshaus in Mödlareuth. Der selbstgebackene Kuchen ist bei den Bewohnern des Dorfes berühmt. Genauso wie der wöchentliche Stammtisch jeden Freitag.
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Welchem Glauben gehören die meisten Mödlareuther an?


Die meisten Mödlareuther sind evangelisch. Mödlareuth gehört zur Pfarrgemeinde Töpen - Isaar - Münchenreuth. Zurzeit betreut West-Pfarrer Gerhard Schneider die ganze Gemeinde.
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Sabrina Treisch / 25.Januar 2010



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